Wir kennen unsere Heimat nicht

Kennst du deine Heimat? 

Diese Frage bekommt man gerne gestellt, manchmal mit einem oberlehrerhaften Unterton, wenn man fälschlicherweise vielleicht Mareit und Magreid verwechselt hat. Naja, kann ja mal passieren. Der eine kennt Südtirol eben besser, der andere weniger.

Die meisten kennen ihre Heimat nicht, oder sie kennen sich in ihrer Heimat nicht aus. Wer alle 116 Südtiroler Gemeinden mit ihren Weilern und Ortschaften, die 20 höchsten Berge und die 12 größten Gewässer kennt, der hat ein stabiles geografisches Wissen. Sicher nichts Schlechtes. Aber Südtirols Fläche ist größtenteils von Wald- und Naturlandschaft geprägt. Das macht unser Land so einzigartig. Genau dort hapert es mit den Kenntnissen. 

 

Wer kennt sich schon in der Natur genauer aus? Naja, Laubbäume und Nadelbäume können noch einige unterscheiden, Löwenzahn und Waldhimbeere auch, doch dann?Wer kennt die über 50 vorherrschenden Bäume und Sträucher in Südtirol? Die über hundert Vogelarten, von der Zwergschnepfe bis zum Grünspecht? Wer weiß, dass es Auerwild, Birkwild und Haselwild in unseren Gebieten gibt?

Ich dachte immer, ich kenne mich gut aus in Südtirol. Ich habe einen kleinen Bauernhof und bin in meiner Freizeit gern auf den Bergen und in der Natur unterwegs. Doch als ich angefangen habe für die Jägerprüfung zu lernen, wo all das Wissen über Tiere, Natur und Umgebung zum Grundwissen gehört, habe ich gemerkt: oje, ich weiß ja gar nichts.

Seitdem gehe ich mit ganz anderen Augen durch das Leben. Dort ein Haselnussstrauch, hier eine Rotbuche, es zwitschert die Amsel und dort drüben fliegt ein Grünspecht. Sich dieses vielfältige Naturwissen anzueignen, ist eine Bereicherung fürs Leben, die ich allen empfehlen würde, auch wenn jemand kein Interesse an der Jagd hat.

Ich glaube, wir wissen viel zu wenig über unser Land. Wenn wir mehr wissen würden, würden wir wohl die ein oder andere Entscheidung überdenken und nicht weiter dieses Land verbauen und vergrauen. Dieses Südtirol, das so grün und vielfältig ist, wir könnten es noch viel mehr genießen, wenn wir es besser kennen würden.

Naturkunde sollte wieder ernster genommen und zur Allgemeinbildung dazugehören. Damit alle behaupten können: ich kenne meine Heimat.

 

Ein Kommentar von Friedrich Hainz

Grödner Joch

Passstraßen befördern Menschenmassen und viel Verkehr in die unberührte Natur. Wildtiere fühlen sich dadurch gestört und ziehen sich zurück.

Schneefink

Schneefinken sind in höheren bergigen Lagen zu finden und sind in ihrem grau-braunen Federkleid gut getarnt.

Fuchs

Dieser Fuchs sucht im tiefen Winter nach Futter. 

Hirsch im Bast

Hirsche werfen im März ihr Geweih ab und schieben innerhalb von vier Monaten ein neues, um den weiblichen Tieren und Rivalen zu imponieren. Dieser männliche Hirsch hat noch ein Bastgeweih, das heißt, die Geweihbildung ist noch nicht abgeschlossen.

Das Edelweiß

Diese Blume, die auf alpinen Rasen und Berghängen wächst kennen eh noch die meisten Menschen. Wer wusste aber, dass Edelweiß streng geschützt sind?

Mehrjähriger Rehbock

Dieser Rehbock vernimmt aufmerksam eine Witterung. Noch ist er im Winterhaar und genießt die ersten grünen Äsungsflächen.

Idylle

In dieser sommerlichen Idylle finden verschiedene Wildtiere Nahrung, Deckung und Unterschlupf. Greift der Mensch mit Baumaßnahmen ein, stört er den natürlichen Kreislauf.

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