„Aus dor Comfort-Zone außer und endlich amol richtig Matschen!“ ist das Motto von einer der insgesamt vier Gruppen des Afzack Projekts „Friiks on the road“. Das Projekt ist schon vor über zehn Jahren entstanden und umgesetzt worden, und hat seit 2022 einen neuen Aufschwung in der Afzack Welt erlebt und geht nun nach 5 Jahren Pause in die zweite Runde, um dieses Ereignis immer als etwas Besonderes zu bewahren.
Die Grundidee von Friiks on the road: mit möglichst wenig Geld auf eine einzigartige Reise ohne konkretes Ziel zu starten. Die Stopps sind unbekannte Dörfer und kleine Städte. Wichtiger als das Ziel ist der (oft beschwerliche) Weg dahin, die Herausforderungen, die einem bevorstehen und vor allem die vielen Bekanntschaften, die man auf dem Weg macht.
19 junge Menschen aus Südtirol haben endgültig den Verstand verloren und sich auf dieses wahre Abenteuer eingelassen. Alle Infos, die sie vorher hatten: sie gehen irgendwo hin, wissen aber nicht wo. Sie wollen zu irgendeinem Ziel, wissen aber nicht wie. Sie werden irgendwas erleben, wissen aber nicht was. Und sie werden diese Erfahrungen teilen, wissen aber (noch) nicht mit wem.
„Vor a Woche bin i mit fost olls Fremde ins Friiks Abenteuer gstartet und jetz kimm i hoam mit wunderschiane Erinnerungen und a kloaner nuien Familie.“ Lisa
Es war ein frischer Sonntagabend, die letzten Sonnenstrahlen streiften die letzten Reste vom Mental Health Festival vorbei und die 19 Mutigen treffen sich im Wunderwald auf dem Ritten, um dort gemeinsam auf ihre Reise ins Ungewisse zu starten. Einige kennen sich bereits, manche kommen ganz allein. Wie denn alles konkret ablaufen soll, ist nicht im Vorhinein geplant, sondern wird von den Teilnehmer:innen gemeinsam diskutiert und entschieden. Sie entscheiden sich, dass vier Gruppen durch das Glückslos zusammengeführt werden sollten. Gesagt getan. Die Gruppen werden am nächsten Morgen gelost, und somit steht ihrer Reise nichts mehr im Weg.
Jede der vier Gruppen bekommt beim Start ein Budget von 60€ pro Person, mit dem sie fünf Tage lang auskommen müssen. Außerdem hat jede und jeder einen Rucksack mit den wichtigsten Utensilien dabei, inklusive Schlafsack, Isomatte und Zelt. Die Gruppen gehen individuell los und entscheiden selbst ob und wie viel Geld sie für was verwenden wollen. Hier ist Einteilung alles. Die Idee ist auch, alles, was geschehen soll, von dem Gemeinschaftsgefühl leiten zu lassen und so alle zu treffenden Entscheidungen zusammen zu verhandeln. Demokratisch gewinnt die Mehrheit. Dadurch, dass die Gruppen nur sehr wenig Geld zur Verfügung haben, ist klar, dass sie das ein oder andere Mal auf fremde Hilfe angewiesen sein werden. Ob es sich dabei um eine Mitfahrgelegenheit, Essen oder einen Schlafplatz handelt, war jeder Gruppe selbst überlassen. Die Idee dahinter ist, sich aus seiner gewohnten, angepassten Umgebung zu bewegen und dadurch sich selbst und andere besser kennenzulernen.
Die Tatsache, dass man aus verschiedensten Gründen fremde Menschen auf der Straße ansprechen muss, bringt einen zu komplett neuen Ideen und Ansichten. Es braucht viel Mut jemanden einfach anzusprechen, oft auf einer anderen Sprache, was noch beängstigender wirken kann. Nach ein paar Versuchen war das Eis dann aber bei allen endgültig gebrochen und es wurde zur neuen Selbstverständlichkeit, für das, was man gerade so gebraucht hat oder wissen wollte, einfach zu fragen. Ganz egal ob die zornig aussehende Frau an der Rezeption eines noblen Hotels oder ein alter Herr am Strand. So wie bei der „Gruppe Matschen“, welche immer wieder von Ihren Begegnungen überrascht werden. So wie beispielsweise die zornig aussehende Rezeptionistin in Desenzano, die sich als liebevolle und großzügige Dame erweist, welche ihnen am liebsten die Suite angeboten hätte – wäre es ihr Hotel.
Die vier Gruppen erleben in den sechs Tagen unzählige Abenteuer, sammeln Erfahrungen und lernen vor allem ihre Mitreisenden von vielen verschiedenen Seiten kennen. Das schweißt zusammen! Um sich ein besseres Bild machen zu können, wer diese Menschen denn sind, die sich auf das Projekt einlassen, wird hier kurz eine der vier Gruppen vorgestellt, nämlich „Die Foccacine“. Wie der Name schon vermuten lässt, hat das ganze etwas mit italienischen Hefeteig, Oliven und getrockneten Tomaten zu tun. Denn Focaccia, so die vier Mädels Sophie, Emily, Maria und Eva-Linda, ist auf ihrer fünftägigen Reise ihr Hauptnahrungsmittel. Mit nichts sind ihre Begegnungen so großzügig gewesen, so die Mädels, als mit den köstlichen Teigkreationen. Man kann sich Schlimmeres vorstellen! Die zufällig geloste Girls-Gang schafft es mit wenig Geld bis an die ligurische Küste, wo sie vier Tage lang am Strand ihre Seelen baumeln lassen. Nicht immer läuft von Anfang an alles nach Plan:
„An wos i mi grod am meisten erinnere, isch der Moment, wo mir getrennt woren und ins donn wieder getroffen hoben und i echt überzeugt davon wor, dass mir hungrig schlofen gian und donn allafine so liabe Leit kennengelernt hobn, de so großzügig mit ins woren.“
Auch wenn es Momente gibt, die herausfordernd sind, halten die „Gitschen“ zusammen und glauben an ihr gemeinsames Ziel. Ihre Reise ist nicht nur aufregend, lustig und anstrengend, sondern vor allem auch sehr lehrreich. So berichtet eine Abenteurerin:
„I glab jeder aus der Guppe hot glernt über sich hinauszuwachsen, mit wianig Geld zurecht zu kemmen, in Leit de man kaum kennt zu vertrauen, es Guate in ondere Menschen zu segn und selber oaner sein - in Lebm zu vertrauen.“
Alles in allem, so könnte man schließen, wohl eine Erfahrung fürs Leben, die niemand der Teilnehmer:innen so schnell wieder vergessen wird. Am letzten Tag der Reise muss dann noch jede Gruppe ein Rätsel lösen, welches unser Flori gestellt hat, um an den Ort zu gelangen, wo die Reise in die zweite Runde gehen wird. Denn nach sechs Tagen Anstrengung und vielen neuen Eindrücken braucht es eine Auszeit! Deshalb werden anschließend alle Gruppen mit einem Bus abgeholt, und zu einer geheimen Location gebracht. Dort haben die erschöpften Reisenden dann drei Tage Zeit, alles Revue passieren zu lassen, spannende Geschichten auszutauschen und auch die anderen Teilnehmer:innen besser kennenzulernen. Die Zeit bei Afzack, so wie es üblich ist, ist so schnell vorbei, wie sie gekommen ist. Und trotzdem, so würde ich meinen, werden die Spuren dieser Erfahrungen noch lange sichtbar bleiben.